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Frankreich

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Fläche (Weltrangplatz): 543 965 km² (47)
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Reiseberichte / Texte zu Frankreich

Languedoc-Roussillon - Wein, Oliven und ...

Hier, in Südfrankreich haben schon die Griechen im 6. Jahrhundert vorChristus Wein angebaut. Ab dem 1. Jahrhundert vor Christus verfeinerten dann dieRömer die Kunst der Herstellung des Göttertrankes. Heute istLanguedoc-Roussillon mit 300 000 Hektar das größte Weinbaugebiet Frankreichs undvielleicht der Welt. Aber die Masse macht’s ja nicht. Bis in die siebziger Jahregenossen die Weine dieser Region keinen guten Ruf. Zu lange hatte man sichdarauf konzentriert, so viel wie möglich zu produzieren. Heute steht auf denalteingesessenen Domainen eine junge Generation von Winzern fürQualitätsbewußtsein. Neben gängigen Rebsorten wie Merlot oder Cabernet Sauvignonarbeiten sie mit heimischen Arten wie Grenache, Carignan, Syrah, Mourvèdre oderClairette. Gespritzt wird so wenig wie möglich. . In den Weinbergen wachsenvielerorts Wildplanzen wie Thymian und Anis. Im Zusammenspiel mit denverschiedenen Böden wie Kalk, Lehm, Schiefer, Granit oder Basalt und denverschiedenartigen Klimas entsteht eine Fülle von aromatischen, eigenwilligenwie ausdruckstarken Tropfen. In ihnen kommt die Vielfältigkeit der Landschaftmit Berghängen, Flusstälern, weiten Plateaus und Küstenregionen zum Ausdruck.Viele Winzer verkaufen ihre Produkte direkt an den Fachhandel in Deutschland, woman beraten wird, und den Wein auch verkosten kann.

Nicht nur bei den Weinkennern dürfte Languedoc-Roussillon kein Geheimtipp mehrsein. Aber die südlichen Cevennen im Departement L’Herault sind vom Tourismusnoch wenig angetastet, Die guten Straßen, die durch die wild zerklüfteten Bergeführen, sind kaum befahren. Tief in den weichen Kalkstein haben sich die Flüsseeingegraben, überquert von kühnen Brücken romanischer Baukunst, wie dem Pont deDiable. Steineiche, Buchsbaum und Wacholder bestimmen die Flora. Atemberaubendschöne Naturformationen überraschen immer wieder. So der Cirque de Navelle, woder Fluss Vis um das Dorf herum eine Art riesiges natürliches Amphitheatergeschaffen hat, das man vom 300 Meter höheren Aussichtspunkt bewundern kann. Inden malerischen mittelalterlichen Dörfern mit ihren Natursteinmauern fühlt mansich um 1000 Jahre zurück versetzt. Saint-Guilhem-le-Désert mit seiner erhabenenvon den Benediktinern erbauten Abbaye de Gellone war auch schon damals wie heuteEtappenziel der Jakobspilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela. Wobeider Wanderer von heute nicht mehr auf Klöster und Hospitäler angewiesen ist.Charmante Hotels und feine Restaurants warten auf ihn (In Saint-Guilhem dasHotel Guilhaume d’Orange).

Hier in der Gegend werden die Aubrac-Rinder gezüchtet, eine robuste Kreuzung,die bei extensiver Haltung hervorragendes Fleisch liefert. Die Rinder sind sechsMonate im Jahr in den Bergen, jeweils 35 Kühe mit einem Stier, und auch den Restder Zeit draußen. Auch die seltenen Rove-Ziegen mit ihren langen gedrehtenHörnern gedeihen in den südlichen Ausläufern der Cevennen prächtig. Sie liefern,handgemolken, die Milch für die lokalen Käsesorten Brousse und den berühmtenPélardon. Wobei wir zu den kulinarischen Genüssen kommen. Da ist dieschmackhafte manchmal etwas deftige ländliche Kost und im absoluten Gegensatzdazu die raffinierte französische Küche in den Städten, die man aber ebenso oftin kleineren Orten findet, wie z.B. im unscheinbaren „La Table de Cuisine“ inSt. André. Landestypische Spezialitäten sind, um nur einige zu nennen, dasEintopfgericht Cassoulet, die Fricandeau Pastete, la paté de campagne,Ziegenkäse mit Safran-Öl, Roquefort mit Aprikosen, die Rübe von Pardailhan(blanchiert, dann in Olivenöl eingelegt und anschließend karamellisiert), dieRoussillon-Kartoffel, Zwiebelkonfitüre mit entweder Trauben, Feigen, Gänseleberoder Äpfeln. Die Seele der Küche ist das Olivenöl, das hier vornehmlich aus denheimischen Sorten Luque, Picholine und La Violette de Roussillon gewonnen wird.Die Kreativität der Olivenbauern in der Herstellung neuer Produkte kennt kaumGrenzen. So gibt es Olivenöl mit Safran, Rosen, Pfefferminze, Zitrone, Ingwer,Rosmarin, Knoblauch, Peperoni, Basilikum. Wer seine Küche bereichern will,sollte die verschiedensten Olivenöle mal ausprobieren, die teuren jedoch nichtzum Braten verwenden, da sie dabei ihr Aroma verlieren. Aber ein paar Tropfenvon dem guten Öl auf den Fisch, den das Mittelmeer hier so frisch liefert,machen ihn noch köstlicher. Mittlerweile gibt es sogar die ganze Palette der Kosmetikprodukte auf der Basis von Olivenöl, dessen Vitamine und Antioxydantiengerade auch extern angewandt der Alterung entgegenwirken. Pierre und Roch Viallavon der Domaine L’Oulivie, die sich über Besuch freuen(domaineloulivie@wanadoo.fr), sind dabei, zusammen mit Fachleuten aus der Gesundheitsbranche, eine Öltherapie ähnlich wie Ayurveda zu entwickeln, die siehoffen in drei Jahren anbieten zu können.

Die landestypischen Erzeugnisse und überhaupt das Leben der Menschen inSüd-Frankreich lernt der Besucher am besten auf einem der vielen Märkte kennen,z.B. auf dem von Clermont l’Herault, der mittwochs Vormittag abgehalten wird. Dafindet man die ganze Vielfalt der Delikatessen, alle Sorten von Obst und Gemüse– viel Bio -, Kunsthandwerk , Textilwaren und manches Andere. Man kann kosten,natürlich kaufen oder einfach nur dem bunten Treiben der Einheimischenzuschauen. Manch origineller Typ wird einem begegnen.

Über die Städte soll hier nicht viel gesagt werden. Weil es leicht ist sich imInternet zu informieren über das steinerne Kulturerbe der Altstädte vonNarbonne, Nimes, Montpellier, Béziers. Und über Carcasonne natürlich, dereinzigen völlig erhaltenen Festungsanlage Europas. Wer sie einmal gesehen hatwird die Bilder zeit seines Lebens im Kopf behalten. Ja, und da sind noch dieStädte im südlichsten Département Frankreichs, den Pyréenes Orientales, nämlichPerpignan und Céret. Erstere hat Dali zum Mittelpunkt der Welt erklärt, undCéret ist eine Kunststadtstadt schlechthin. Hier an der Grenze zu Spanien istder katalonische Einfluss allgegenwärtig, in Kultur, Sprache, Namen und der Genetik der Menschen. Das herausragende Musée de l’Art Moderne in Céretbeherbergt unter anderen Werke von Picasso, Chagall, Miró, Matisse, die sichalle von dem ganz besonders warmen Licht der Cote Vermeille haben inspirierenlassen. Und in dem sympathischen Städtchen gibt es natürlich auch exzellenteRestaurants wie das „Le Pied dans le Plat“ und so nette Hotels wie Pabloshervorragend gelegenes „Les Arcades“.

Dreihundert Tage im Jahr scheint die Sonne im Languedoc-Roussillon. Im Sommerwird die Küste von Sonnenhungrigen aus ganz Europa bevölkert, die sich an denschönen unverbauten Stränden wie dem sympathischen Argelès-sur-Mer erholen. Inder Nachsaison gehören die verträumten Fischerorte wieder den Einheimischen,obwohl man das Bad im Meer durchaus noch genießen kann (Gemessene 18 Grad AnfangOktober). Das ist auch eine wunderbare Zeit durch den Canal du Midi zuschippern, der auf seinen 240 km durch atemberaubende Landschaften dasMittelmeer mit Toulouse verbindet. Auf den „Pénichertes“, den Kähnchen für vierbis acht Passagiere, kann man Kapitän sein ohne einen Bootsschein vorweisen zumüssen.

Der deutsche Sprachwissenschaftler Kurt Brenner, der seit 38 Jahren imLangudoc-Roussillon wohnt, sagt: „Ich habe viel von der Welt gesehen. Aber dieseRegion ist in ihrer Vielfalt einzigartig. Das Meer, die Camargue, die Lagunen,das Bergland, der Weinbau – diese abwechslungsreiche Landschaft hat einemagische Anziehungskraft.“

Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung des Rechteinhabers, © by Heiko Trurnit2007

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Letzte Bearbeitung: 30.10.2007 nach oben

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